Shinergy

„Kämpfen zu können bedeutet, nicht mehr kämpfen zu müssen!“

 

Kriegs-Flüchtlingen wieder Mut geben – das will Ronny Kokert. Der Kampfsportweltmeister und Gründer der ganzheitlichen Trainingsmethode Shinergy startet ein Non-Profit-Projekt für geflüchtete Männer und Frauen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.

Denn sie wissen, was sie tun.

Wien, Mai 2016: Stille dominiert den Raum. Zehn junge Männer sitzen im Schneidersitz am Boden und meditieren. Plötzlich durchbricht ein lautes Klatschen die Stille – „You are here and now! Focus is the answer!“ ruft Ronny Kokert und beginnt mit einem lockeren Aufwärmtraining, bevor er zu actiongeladenen und schweißtreibenden Übungen übergeht. Die Gruppe ist diszipliniert und konzentriert beim Training, Achtsamkeit im Umgang miteinander wird im Team groß geschrieben. Jede Übung wird von einer Verbeugung begleitet. „Ich habe selten so einen respektvollen Umgang und hohen Einsatz erlebt. Jeder gibt sein Bestes“ freut sich Ronny Kokert über die große Motivation der Teilnehmer.

Das anschließende intensive Konditionstraining bringt die jungen Männer an ihre Grenzen, ans Aufgeben denkt hier aber niemand. Kein Wunder. Immerhin handelt es sich um junge Flüchtlinge, die unter widrigsten Umständen aus Krisengebieten nach Österreich fliehen mussten. Der 23-jährige Soker aus Syrien, ist froh, im Team zu sein: „Als ich von dem Training hörte, hatte ich zuerst große Zweifel. Immerhin bin ich ja gerade erst vor den Kämpfen in meiner Heimat geflohen. Aber das Training gibt mir unheimlich viel Ruhe und Selbstvertrauen. Ich habe plötzlich das Gefühl, alles schaffen zu können“, erzählt er.

 

 

 

Der Kurier berichtete im Juni 2016 über das Projekt:

Gemeinsam mit anderen jungen Männern aus Syrien, Afghanistan und Somalia wird er ab sofort von Kokert regelmäßig in der Kampfkunst „Shinergy“ unterrichtet, einer neuen Kampfmethodik, die Körper und Geist für die Herausforderungen des Lebens wappnet und das volle Potenzial unserer innersten Kraft entfesselt.

Anita Frühwirth von der Caritas Wien freut sich über ehrenamtliche Flüchtlings-Initiativen wie jene von Kokert, da das Training den Alltag der Flüchtlinge bereichert: „Ich danke Ronny Kokert für seine Initiative. Es war schön zu sehen, wie hochkonzentriert und ernsthaft die jungen Leute bei der Sache sind und wie glücklich sie nach dem Training strahlen. Wie verflogen scheint in diesem Moment die nervöse Angespanntheit und depressive Niedergeschlagenheit, unter der viele von ihnen oft leiden.“

Kokert selbst sieht seinen Beruf auch mit einer Verantwortung verbunden: „Es erfüllt mich mit großer Freude, dass ich mit meinem Handwerk dazu beitragen kann, Menschen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden, Mut zu machen und sie für die Herausforderungen ihres Lebens zu wappnen. Erst durch ein Bewusstmachen von innersten Barrieren, Konflikten und Ängsten ist es möglich, diese zu überwinden und sein volles Potenzial zu entfesseln. Kämpfen zu können, bedeutet nicht mehr kämpfen zu müssen.“

Mit seinen „Freedom Fighters“, wie er die Truppe nennt, hat Kokert noch viel vor: „Ich möchte den jungen Männern ein sportliches Ziel geben: Mein Traum ist, dass die jungen Helden einmal Medaillen für Österreich gewinnen.“ Disziplin sei dafür unerlässlich: Wer unentschuldigt fernbleibt, nicht genügend auf seine Trainingspartner achtet oder mit dem Gesetz in Konflikt kommt, müsse gehen.